TAU: Review

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TAU

97 Minuten lang haben wir uns bei der Netflix Filmproduktion gefragt, wie der Pitch zu TAU wohl ausgesehen hat.
‚Komischer Typ pflanzt ein komisches Gerät in Runaways, und Künstliche Intelligenz wird dank hübscher Dame zu künstlicher Dummheit‘?
So in etwa?
Falls ja, dann müssen wir uns doch fragen, wo die Qualität, die Netflix an vielen Stellen ihrer Eigenproduktionen besitzt, denn war als der Film ein Go bekam.
Gehen wir mal davon aus, dass der Pitch etwas anders aussah, als den obig genannten.
Dann müssen wir aber dennoch sagen, dass die 97 Minuten in unseren Augen die reine Verschwendung war, die wir für diesen Sci-Fi Thriller geopfert haben.

Tau Handlung

Ein etwas schräger Wissenschaftler, oder Arzt, oder einfach nur reicher Yuppie an der Spitze eines Unternehmens kidnappt eine Dame namens Julia, die sich ihren Lebensunterhalt mit Diebstählen verdient.
Schnell wird dank subtiler Rückblenden klar, dass besagte Dame kein einfaches Leben hatte und daher wohl als Runaway auf die schiefe Bahn geriet.
Als sie plötzlich in einer Art Gefängnisbunker aufwacht, hat man ihr ein Implantat in den Nacken gepflanzt.
Sie ist allerdings nicht das erste und einzige Opfer.
Aber auch die anderen Opfer wird wohl keiner vermissen.
Dies wird sehr offensichtlich, als das zweite Opfer als Antwort auf die Warum-Frage nur folgende Antwort parat hat: „Keine Ahnung, ich war gerade mit Drogen dealen wie immer und nun bin ich hier“.
An dieser Stelle mussten wir uns fragen, ob dies wirklich das erste Detail wäre, dass wir von unserem Leben preisgeben würden wenn wir uns in einer Art Gefängnis/Kidnapping/Experimenten Horrorshow wiederfinden.

Tau Kritik

Zu Beginn der Kritik möchte gesagt sein, dass der Film durchaus auch seine guten Momente hatte.
Die schauspielerische Leistung von Maika Monroe alias Julia war duchweg solide, und die charakterlichen Schwächen hatten damit wohl wenig zu tun.
Auch einzelne nette Eyecatcher hatten wir an manchen Stellen des Films zu sehen bekommen.
Vor allem eine Interaktion zwischen Julia und TAU blieb uns in Erinnerung, bei welcher die Special Effects Experten ganze Arbeit leisteten.
Die Schönheit beziehungsweise Romantik, die auch bei technischen Gegebenheiten und Thematiken vorhanden sein kann, wurde damit solide unterstrichen.
Auch die Grundidee bzw. das Konzept der KI, die einen freien Willen entwickelt und sich gegen ihren Schöpfer stellen kann, hat definitiv Potential.
Die Thematik eines Neuro Enhancers, der als Implantat direkt mit dem zentralen Nervensystem kommuniziert und von ihm auch lernt ist ebenfalls interessant und faszinierend.
Aber leider bei diesem Film nicht gut umgesetzt und in unseren Augen nicht bis zum Ende gedacht.

Denn hier sehen wir mitunter die größten Schwächen des Films.
Die Konzepte und neuronale und technische Themen werden an keiner Stellen solide aufgegriffen.
Wir hatten das Gefühl, man wolle sich nicht die Mühe machen, hierfür zu recherchieren um dem Zuschauer eine durchdachte Idee zu präsentieren.
Unterstützt wurde diese sehr lasche Darbietung von Schauspieler Ed Skrein als Alex.
Selbstverständlich ist es nicht einfach einen introvertierten und zur Empathie unfähigen Intellektuellen zu spielen, aber das hätten viele besser gekonnt.
Man kann bei sowas nie sicher sein, ob es am Schauspieler oder am Drehbuch lag.
Aber seine Rolle haben wir ihm an keiner Stelle so wirklich abgekauft.
Wir sahen keinen Charakter, sondern wir sahen einen Schauspieler mit auswendig gelernten Texten und Bewegungen.

Das wohl größte Ärgernis erlebten wir allerdings bei der Story.
An vielen Stellen hatten wir uns gefragt, wo denn dieser Film hin möchte.
Zeitweise hatten wir dank den unterirdischen Dialogen das Gefühl wir bekommen noch das Stockholm Syndrom der Zukunft zu sehen. „Mache deine Aufgaben, dann sorge ich für dich“.
An einer Stelle hatten es sich die Macher auch nicht nehmen lassen einen unnötigen Jump-Scare einzubauen.
Warum? Das weiß keiner.
Und am Ende hatten wir eine KI, die nicht nur Schmerzen spüren konnte.
Sondern TAU vermag auch Gefühle für einen Menschen zu entwickeln.
Zwar hatte Alex dies zu Beginn erwähnt, dass seine KI zu solchen Empfindungen imstande ist.
Aber auch dies ist ein Konzept, das definitiv mehr bedarf als nur ein Nebensatz.

Tau Fazit

Subtil ist unsere Kritik für TAU auf keinen Fall.
Aber die Lieblosigkeit und die Mängel des Films, der Geschichte und der Charaktere sind in unseren Augen keine kleinen Fehler.
Zwar hatte man auch ein bis zwei nette Szenen und eine solide Performance von Maika Monroe.
Das entschädigt allerdings nicht für die unterirdischen Dialoge, den unvollkommenen Plot und die restlichen Ungereimtheiten.
Die sind in unseren Augen aber eher strukturell als filmerisch anzusiedeln.
Alles in allem vergeben wir dem Film sehr gut gemeinte 1,5 von 5 Sternen.
Dies können wir nur durch Maika Monroe und der eigentlich guten Idee.
Dass es an der Umsetzung scheiterte ist in unseren Augen schade aber vermeidbar.
Man muss sich nur einer der unzähligen Filme anschauen, die sich an das KI-Thema gewagt haben.

Tau Fakten

Besetzung: Maika Monroe, Ed Skrein, Gary Oldman
Regisseur: Federico D’Allessandro
Genre: Sci-Fi Thriller
Produktionsland: USA
Erscheinungsjahr: 2018
Länge: 97 Minuten

Bild: ©Netflix

TAU