©BBC King Lear Kritik King Lear Film
©BBC King Lear Kritik King Lear Film
Fakten:

King Lear Kritik

Besetzung: Anthony Hopkins, Emily Watson, Emma Thompson, Florence Pugh, Jim Broadbent, Jim Carter, etc.
Regisseur: Richard Eyre
Genre: Tragödie, Drama
Produktionsland: UK
Erscheinungsjahr: 2018
Länge: 115 Minuten

Mit King Lear liefert Amazon in Kooperation mit BBC die klassische Shakespeare Tragödie auf die heimischen Fernseher. Seit dem  28. September kann man über Amazon Prime Video [Anzeige] die neue Originals Produktion streamen. Wir erzählen euch in dieser Kritik ob es sich lohnt reinzuschauen.

King Lear Handlung:

Wir befinden uns in einer alternativen Welt, der unsere bis auf ein paar Faktoren sehr ähnelt. In London, bzw. England, regiert King Lear das Königreich mithilfe seiner äußerst präsenten Soldaten. Im hochmilitarisierten England treffen wir zügig auf die Königsfamilie, die aus dem König, seinen drei Töchtern und deren Ehemänner, sowie aus engsten Vertrauten besteht. Hier verkündet der König seine Abdankung und möchte sein Königreich nun auf seine Töchter aufteilen, vorausgesetzt diese bestehen einen Liebesbeweis, der in der Bekundung ihrer Zuneigung zu ihrem Vater besteht. Die jüngste der Töchter, Cordelia, besteht den Test nicht und wird aufgrund dessen ohne Mitgift an den französischen König als Braut übergeben und aus dem Königreich und der Familie verbannt. Als auch noch der enge Vertraute Lord Kent für die Tochter einsteht, wird auch dieser aus dem Königreich verbannt.

Im weiteren Geschehen verweigern die zwei anderen Töchter dem Gefolgschaft ihres Vaters die Bewirtung und zeigen so ihr wahres Gesicht. Sie sind sichtlich undankbar und wollen ihren Vater so schnell wie möglich wieder loswerden. Ein zweiter Handlungsstrang befasst sich mit der Familiendynamik rund um einen weiteren Vertrauten des Königs. Lord Gloucester hat einen ehelichen sowie einen unehelichen Sohn. Letzterer intrigiert gegen seinen Vater und seinen Bruder im Bestreben nach einem Familienerbe. Diese Storyline ist allerdings nicht komplett von der King Lears abgesetzt, sondern beide sind tief miteinander verflochten.

Die Tragödie nimmt ihren Lauf und mündet im weiteren Verlauf in Krieg, Tod und Verderben. Doch wie genau, und welches Ende King Lear nimmt, werden wir an dieser Stelle nicht verraten. Stattdessen können wir den Film von 2018 nur empfehlen und euch raten, euch ein eigenes Bild von der Tragödie zu verschaffen.

King Lear Kritik:

Mit dieser Kritik hatte ich einige Bedenken und einige Schwierigkeiten um dies vorwegzunehmen. Das lag vor allem daran, dass wir es hier mit einer klassischen Shakespeare Geschichte zu tun haben. Zwar sind die Unterschiede zum Klassiker mehr als deutlich, wenn man sich allein das moderne Setting anschaut, jedoch weißt die Geschichte und die Dialoge Ähnlichkeiten auf, die zu Beginn sehr bizarr wirken. Man hat sichtlich Schwierigkeiten, sich in dem Film hinein zu begeben, da die Dialoge (teils Original Dialoge aus den ursprünglichen Shakespeare Schriften) in starkem Kontrast zum Setting sind. Dies ist aber nicht zwingend ein negativer Aspekt von King Lear. Im Gegenteil, schließt man seine Augen, so hat man den Klassiker, öffnet man sie, so hat man eine moderne und gelungene Interpretation.

Herausragend ist hier, dass das anfänglich Bizarre auf unerklärliche Weise die größte Stärke des Films ausmacht. Dadurch wird die Zeitlosigkeit der Tragödie nur umso mehr unterstrichen und die Qualität des Shakespeare Stücks auch einem modernen Theater-fernen Publikum präsentiert. An dieser Stelle muss man allerdings auch den Aspekt beleuchten, ob man dies überhaupt darf. Darf man einen Klassiker in ein Setting packen, dass ferner von der ursprünglichen Fassung kaum sein könnte? Ich kann Stimmen nachempfinden, die hier verlauten, es wäre eine Verunglimpfung des Klassikers ihn so zu inszenieren. Aber wer hat bei so einer Diskussion die Wahrheit gepachtet? Im Endeffekt könnte nur der Autor selbst, also Shakespeare an dieser Stelle, ein Urteil fällen. Aber wenn er zu jetziger Zeit gelebt hätte, vielleicht hätte er dann auch ein solches Setting gewählt, wissen kann das keiner.

Nichtsdestotrotz haben die Macher in meinen Augen die richtige Wahl getroffen, als sie sich dazu entschlossen haben, die ursprünglichen Dialoge mit ihrer Grammatik und ihrem sprachlichen Altertum beizubehalten. Dies gipfelte zwar in einer grotesken Inszenierung, aber Negatives kann ich hierbei nicht erkennen. Umso erstaunlicher war die Leistung der Schauspieler, die aufgrund dessen besondere Anforderungen zu bestehen hatten. Und diese Messlatte wurde mit Bravour gemeistert und angehoben. Allen voran die Performance eines Anthony Hopkins, der bereits seit Jahrzehnten als herausragender Schauspieler bekannt ist. Was er allerdings bei King Lear zu Tage brachte, kennt man so nur von den großen Theatermeistern unserer und vergangener Zeit, und konnte mich nicht nur überzeugen sondern auch berühren. Auch die anderen Schauspieler, die des öfteren ganz klassisch auch mit dem Zuschauer im direkten Dialog standen, können wohl nach King Lear nicht nur ihre Filmkarriere weiter ausbauen, sondern definitiv auch im Theatergeschäft bestehen.

Zu der thematischen Leistung der Tragödie will ich mich bewusst nur kurz äußern. Als Freund und Fan der klassischen Literatur und Bühnenstücke, fällt es mir schwer, bei einer bahnbrechenden Tragödie wie King Lear Kritik zu äußern. Nicht aus Respekt oder Ehrfurcht vor vergangenen Schriftstellern, Denkern und Dichtern. Kritik kann ich bei King Lear einfach nicht finden. Die Tragödie ist, wie es die bizarre Inszenierung beweist, noch in heutigen Zeiten wirksam, sie lässt sich transferieren und auch 2018 gesellschafts- und familienkritische Punkte thematisieren, die durchaus Relevanz besitzen.

Die bewusste Entscheidung für die Sprache, die dem Original gleicht und teilweise Sätze 1:1 wiedergibt, wie sie im Manuskript aus dem 17. Jahrhundert noch durchzulesen sind, halte ich für eine mutige und gute Entscheidung. Trotz der Verschachtelung, einem komplizierten Satzbau und grammatikalischen Gepflogenheiten, die heutzutage oft als falsch betitelt werden, ist sie in meinen Augen weitaus direkter und trifft in das Herzstück des Themas, das man hier Tragödie nennt.

Der Punktabzug kommt in dieser Kritik dadurch zustande, dass es ein bis zwei Szenen und Entscheidungen der Macher gab, die nicht die Tragödie an sich unterstreichen, sondern die Konfrontation zwischen Inszenierung und Sprache. Die zwei Faktoren hätte in meinen Augen ausgereicht, um das Bizarre von King Lear hervorzuheben. Jedoch entschieden sich die Macher dafür, ein paar Dinge einzubauen, die nicht der Tragödie dienten, sondern lediglich zur Verwunderung des Zuschauers beitrugen. Anders kann ich mir manch Kostümierung der Schauspieler oder Fliegerbomben nicht erklären.

Fazit King Lear Kritik:

King Lear ist thematisch eine der besten Tragödien, die je ein Mensch geschaffen hatte. Die Inszenierung, die hier bei diesem Film zum Tragen kam, wirkt zwar zu Beginn äußerst bizarr, kann aber dennoch berühren und mit Qualität überzeugen. Allen voran Anthony Hopkins gaben die Schauspieler ihre Rollen in einer großartigen Art und Weise wieder, dass sie hierfür mehr als nur die Lobpreisung dieser Kritik verdient hätten. Jeder Freund der klassischen Literatur, der bereit ist Neues zu erleben und jeder, der vielleicht noch nichts mit Klassik anzufangen vermag, rate ich dazu, King Lear eine reelle und weltoffene Chance zu geben.
Ich vergebe daher 4 von 5 Sterne.

 

Bild: ©BBC

Überblick der Rezensionen
King Lear
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Juliane Klein
Direkt in die Popkultur hinein geboren, merkte Juliane bereits in ihren Kinderschuhen, dass Filme und Serien ein großes Hobby werden. Doch auch die Liebe zu Videospielen und Gaming wurde bereits in ihren Kindheit entfacht. Nach jahrelangem Konsum von verschiedensten verfilmten, animierten, geschriebenen und virtuellen Welten, möchte Juliane nun diese Leidenschaft an das World Wide Web weitergeben. Ihr Aufgabengebiet umfasst bei CitizenZ vor allem Filme und Games. Wer sich also schon immer gefragt hat, wer diese unzähligen Rom-Coms bei Netflix anschauen muss: das ist ihre Aufgabe. Dabei würde sie eigentlich am liebsten ein Fantasy Epos rezensieren und danach auf der PlayStation 4 ihren Emotionen freien Lauf lassen.

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