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When They See Us Kritik

Seit einigen Tagen ist die neueste Netflix Serie zum Streamen verfügbar. Zwar handelt es sich hierbei lediglich um eine Miniserie mit 4 Episoden. Das macht sie jedoch nicht weniger bedeutend.

When They See Us Handlung

Im Jahre 1989 macht sich eine Gruppe Jugendlicher auf, um im Central Park in New York einen entspannten Abend zu verbringen. Zeitgleich wird im Park eine Joggerin auf brutale Art und Weise überfallen und vergewaltigt. Aufgrund der Brisanz des Falls, und dem Zustand der Frau, möchte die Polizei New Yorks den Fall schnellstmöglich lösen und greift 5 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 16 Jahren auf.

 When They See Us Netflix
When They See Us ©Netflix

Im Nachfolgenden wurden die Teenager noch auf der Polizeiwache dazu genötigt, das Verbrechen an der Frau zu gestehen. In einer hochgekochten Atmosphäre werden die Jungs zu enormen Freiheitsstrafen verurteilt und saßen zwischen 5 und 13 Jahren im Gefängnis. Erst Jahre später gesteht der wahre Täter die Attacke auf die junge Joggerin und die Jungs werden von allen Anklagepunkten freigesprochen.

When They See Us Kritik

Leider ist When They See Us erstmal durch unser Radar gefallen. Als wir jedoch mehr und mehr zu der Miniserie erfahren hatten, wollten wir uns selbst ein Bild machen. Dieses hat sich definitiv gelohnt und wir bereuen es zutiefst, der Serie nicht schon früher eine Chance gegeben zu haben.

Immer wieder bekommen wir Netflix Produktionen präsentiert, deren Handlung mit Sicherheit auch im Kino Anklang finden würden. Da es bei When They See Us jedoch fatal gewesen wäre, die einzelnen Episoden auf einen Film zusammen zu schneiden, sind wir doch recht froh darüber. Nichtsdestotrotz ist die Handlung durchaus sehenswert. So folgen die einzelnen Episoden keiner geradlinigen Handlung. Das hört sich zwar erstmal chaotisch an, macht jedoch aufgrund des Inhaltes durchaus Sinn. Selten haben wir eine Serie gesehen, dessen allgemeine Form sich an die Handlung passgerecht anschmiegt. Folge 1 dreht sich somit vorrangig um das Geschehen auf der Polizeistation. Folge 2 thematisiert die Verhandlungen. Folge 3 behandelt das Leben nach dem Knast von 4 der 5 Teenagern. Die letzte und finale Episode dreht sich ausschließlich um Korey Wise, der Teenager, der als einziger in die JVA für Erwachsene gesteckt wurde.

 When They See Us Kritik
When They See Us ©Netflix

Dadurch, dass man diesen Episoden ein flexibles Aussehen gewährt hatte, und der Handlungsbogen ganz unterschiedlich ausfällt, wird erneut die Brisanz der Story unterstrichen. Durch den großen Fokus auf Korey Wise in der letzten Episode, wird dem Zuschauer schmerzlich bewusst gemacht, wie viel Leid in der Ungerechtigkeit des Justizsystems stecken kann. Wir ziehen unseren Hut vor der Regisseurin Ava DuVerney, die auf eindrucksvolle und respektvolle Art der Handlung den perfekten Rahmen kreiert hatte.

Die Themen und Diskussionen von When They See Us könnten schmerzlicher nicht aufbereitet werden. Die unfassbare Ungerechtigkeit und das daraus resultierende Leid der Teenager ist fast unvorstellbar für Zuschauer, die in einem Rechtssystem, wie es hierzulande existiert, leben. Sich einem Gericht ausgesetzt zu sehen, dessen Urteil auf 12 Geschworene basiert, die weder eine fundierte Ausbildung noch Kenntnisse in Sachen gerichtlicher Urteilsfindung haben, ist glücklicherweise hier nicht möglich. In den USA ist dies jedoch Gang und Gebe und somit ein kleines aber entscheidendes Puzzleteil, um die Verurteilung von Unschuldigen zu begünstigen.

 When They See Us Serie
When They See Us ©Netflix

When They See Us geht auf dieses System mit der nötigen Distanz und zeitweise sogar wertefrei ein. Die Miniserie zeigt den Prozess auf nüchterne Art und Weise. Obwohl man als Zuschauer selbst zu dem Entschluss kommt, dass diese Jungs aufgrund der fehlenden Beweise kaum verurteilt werden können, geschieht dies trotzdem. Im Endeffekt zeigen uns hier die Macher, wie grotesk es ist, dass es in einem Gerichtsprozess vielleicht weniger um die Wahrheit geht. Man sieht, dass letztendlich die Partei gewinnt, die eine bessere Rhetorik und bessere Argumente an den Tag bringt, ganz gleich ob diese mit Beweisen untermauert werden oder nicht.

Doch natürlich gab es einen Aspekt, den die Jury als ausschlaggebend angesehen hatte, die erzwungenen und durch Nötigung erbrachten Geständnisse der Kinder. Ich schreibe hier bewusst Kinder, da dies auch in When They See Us oftmals thematisiert wird, um das Ausmaß des Leids einigermaßen respektvoll darzustellen. Das wohl größte und wichtigste Puzzleteil, das zu dieser Ungerechtigkeit führte, wurde in den damaligen Verhören der Jungs erarbeitet. Mal ganz davon abgesehen, dass der Junge, den es am härtesten getroffen hatte, Korey Wise, überhaupt nur auf der Polizeistation war, um seinem Freund beizustehen, sind die Jungs dort genötigt, erniedrigt und gezwungen worden, der Polizei genau das zu erzählen, was sie hören wollte.

When They See Us ©Netflix

Nicht nur einmal möchte man als Zuschauer in den Fernseher brüllen, dass das so nicht geht. Die Kinder gehören einem Anwalt und laut geltendem Recht vor allem erstmal ihren Eltern präsentiert, bevor sie ausgequetscht werden. Da jedoch die Polizei eine ganz andere Intention hatte, gewährt uns die Miniserie einen Einblick in das Geschehen, welches Wut, Trauer und Verständnislosigkeit auslöst. Die Macher von When They See Us haben hier in Zusammenarbeit mit den wahren Akteuren ein Werk geschaffen, welches verschiedene Emotionen bis auf ein Maximum aufwühlen. Dass es überhaupt eine derartige Auseinandersetzung mit Personen gibt, die nicht nur einmal jegliche Gesetze oder Menschenrechte verletzt, ist zwar schwer zu erfassen, aber dennoch voller Realität.

Ein weiteres großes Lob gilt den einzelnen Schauspielern, die ihre Rolle mit der nötigen Würde und dem gebührenden Respekt dargestellt haben. Wer etwas mehr über die Strapazen der Schauspieler sehen möchte, dem empfehlen wir die Netflix Dokumentation „When They See Us Now“. Dort hören wir neben den einzelnen Schauspielern und der Regisseurin auch die wahren Männer hinter den Figuren sprechen. Alles in allem waren wir begeistert, von allem und vor allem von jedem, der einen Beitrag zu dieser phantastischen Miniserie When They See Us geleistet hatte.

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Fazit der When They See Us Kritik

Diese neue Netflix Serie schlägt tief in die Magengrube. Auf beeindruckende und schmerzliche Art zeigen uns hier die Macher, wie verkorkst das amerikanische Justizsystem sein kann. Wir vergeben daher in unserer When They See Us Kritik 4 von 5 Sterne.

When They See Us Trailer

When They See Us Fakten

Besetzung:  Asante Blackk, Justin Cunningham, Caleel Harris, Jovan Adepo, Ethan Heriss, Chris Chalk, Jharrel Jerome, Marquis Rodriguez, Freddy Miyares, Marsha Stephanie, Kylie Bunbury, Aunjanue Ellis, Vera Farmiga, Felicity Huffman, John Leguizamo, Niecy Nash, Michael K. Williams, 
Regisseur:  Ava DuVernay
Genre:  Drama 
Produktionsland: Deutschland
Erscheinungsjahr: 2019
Länge:  ca. 70 Minuten
Network: Netflix

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Überblick der Rezensionen
When They See Us
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Juliane Klein
Direkt in die Popkultur hinein geboren, merkte Juliane bereits in ihren Kinderschuhen, dass Filme und Serien ein großes Hobby werden. Doch auch die Liebe zu Videospielen und Gaming wurde bereits in ihren Kindheit entfacht. Nach jahrelangem Konsum von verschiedensten verfilmten, animierten, geschriebenen und virtuellen Welten, möchte Juliane nun diese Leidenschaft an das World Wide Web weitergeben. Ihr Aufgabengebiet umfasst bei CitizenZ vor allem Filme und Games. Wer sich also schon immer gefragt hat, wer diese unzähligen Rom-Coms bei Netflix anschauen muss: das ist ihre Aufgabe. Dabei würde sie eigentlich am liebsten ein Fantasy Epos rezensieren und danach auf der PlayStation 4 ihren Emotionen freien Lauf lassen. By the way ist sie auch eine der Gründer von CitizenZ!

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