Biohackers Kritik – Ein wenig Thrill, zu wenig Wissenschaft, aber lohnenswert!

-

Anzeige

Biohackers Kritik

Seit dem 20. August können wir nun endlich Biohackers auf Netflix streamen. Dabei hätte die neue deutsche Serienproduktion schon viel früher erscheinen sollen. Doch auch hier hatte die aktuelle Coronakrise einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nun ist sie aber endlich verfügbar. Warum wir zwar zwiegespalten, aber dennoch begeistert sind, erklären wir euch hier in unserer Biohackers Kritik.

Inhaltsverzeichnis:


Biohackers Handlung:

Mia zieht in die große Universitätsstadt Freiburg und hat nur ein Ziel. Das beinhaltet nicht unbedingt ihr Medizinstudium. Stattdessen erklärt sie es zu ihrer Mission, immer näher an die große Wissenschaftlerin Lorenz heran zu kommen. Dabei kommt ihr dessen HiWi Jasper ganz gelegen. Sie freundet sich mit ihm an und schafft es sogar bei Lorenz einen Hilfsjob zu ergattern. Doch was genau hat das alles mit diesem seltsamen Vorfall im Zug zu tun, bei dem jeder Fahrgast auf einmal zusammenbricht? Das möchten wir euch natürlich nicht verraten. Wichtig ist nur zu verstehen, dass nicht alles so ist wie es scheint. Denn die eigene Agenda steht nicht nur bei Mia hoch im Kurs. 

Auch interessant: Dark Staffel 3 Kritik – Ein finales Fazit für die finale Staffel

Biohackers Kritik:

Der Fokus auf dem Thrill

Biohackers nimmt zwar eine sehr wissenschaftliche Grundeinstellung ein, doch früh merkt man, dass der Fokus dieser Netflix Serie auf anderen Aspekten liegt. Man gibt sich viel Mühe, Authentizität und Fakten so wiederzugeben, wie sie in der “echten” Welt vonstatten gehen. Dennoch könnte man diese Serie fast als Science-Fiction Thriller bezeichnen. Es ist erstaunlich, wie packend diese Serie konzipiert wurde. Und obwohl wir in das Studentenleben mit vielen seiner Facetten eintauchen, so zeigt Biohackers schnell sein wahres Gesicht. Es geht hier um einen wissenschaftlichen Krimi, dessen Handlung an vielen Stellen aus einem Hollywood-Filme-Handbuch stammen könnte. Und obwohl die Serie manchmal mit ihrer realen Perspektive glänzen kann. So kontrastiert sie doch umso mehr mit ihren Thriller-Plots und Cliffhangern. Ob das nun gut oder schlecht ist, muss jeder Zuschauer für sich persönlich entscheiden. Wir haben uns mehrmals dabei ertappt, wie wir immer tiefer in die Spannung hineingezogen wurden. Dabei hätten wir uns aber dennoch gerne weitere Perspektiven und an mancher Stelle mehr Tiefe gewünscht.

Eine Frage der Ethik

Ein Grund, warum wir uns auf diese neue Netflix Serie gefreut haben, steckt bereits schon im Titel verborgen. Wissenschaftler auf der ganzen Welt sehen sich seit Jahren mit vielen ethischen Fragen konfrontiert, die man gerne unter dem Begriff Biohacking subsumieren könnte. Auch wenn die Wissenschaft dies wohl eher mit Biotechnologien, Bioingenieurswesen, Genetik oder sonstigen verwandten Disziplinen betiteln würde. So muss man bei der Netflix Serie wohl eher doch die meisten Charaktere als Biohackers bezeichnen. Mal abgesehen von der Frage, ob es in Ordnung wäre seinen eigenen Körper zu modifizieren, so geht diese Serie und ihre Themen einen Schritt weiter. Die Regularien in Deutschland sind bezüglich genetischen Modifikationen klar und deutlich. Doch die Diskussion der Ethik bleibt weiter bestehen. Während die eine Seite böse Designerbabys als Symbolik nutzen, so betont die andere die Möglichkeit Erbkrankheiten zu beseitigen. Diese Fragen und ethischen Themen sind mit Sicherheit noch nicht zu Ende diskutiert. 

Adrian Julius Tillmann als Jasper in Biohackers
Adrian Julius Tillmann als Jasper in Biohackers ©Netflix

Bei Biohackers hatten wir gehofft, dass genau diese große Diskussion der Wissenschaft, und der Schöpfung gleichermaßen, aufgegriffen wird. Das wird sie auch, das können wir nicht bestreiten. Aber wenn man die Serie schon Biohackers nennt, dann haben zumindest wir als Zuschauer mehr Tiefe erwartet. Der ein oder andere betont zwar die Möglichkeiten von genetischen Modifikationen, und all das Gute und Schlechte, was daraus entstehen könnte. Jedoch haben wir mehr als nur ein paar weitverbreitete Sätze erwartet. Es steht außer Frage, ob es moralisch korrekt ist, wie manch Charakter handelt. Nichtsdestotrotz ist dies eine wichtige Frage der Wissenschaft und Ethik. Und gerade weil sie uns alle betrifft und wohl auch in Zukunft immer bedeutender wird, haben wir uns an dieser Stelle mehr Beschäftigung mit dem Thema gewünscht. Hier fehlten uns vor allem Argumente, die das Für und Wider betonen, und nicht einfach nur salopp in Nebensätzen erwähnte Aussagen, wie die Wissenschaft aktuell damit umgeht. In so einer Serie will der Zuschauer vielleicht nicht nur wissen wie, sondern auch warum dieser Art der Wissenschaft Grenzen gesetzt sind.

Nachwuchstalente treffen alte Hasen

Jessica Schwarz ist mit ziemlicher Sicherheit schon ein alter Hase im Filmgeschäft. Dabei wollen wir natürlich nicht auf ihr eigentliches Alter anspielen, sondern eher auf ihre Erfahrung, die sie in diese Netflix Serie einbringt. Und diese Erfahrung merkt man ihr sichtlich an. Wir haben erst wenige Filme oder Serien mit ihr gesehen, in der sie eine derart unsympathische Rolle spielte. Man könnte fast meinen, sie würde in Biohackers den brillanten Bösewicht spielen. Und diese Art von Rolle setzt sie unserer Meinung nach perfekt in Szene. Vielleicht muss man dazu sagen, dass ihre Rolle der Professorin Lorenz fast schon zu perfekt und zu böse wirkt. Kaum ein Fünkchen Menschlichkeit oder gar Moral konnten wir in diesem Charakter erkennen. Dabei hat uns doch die Vergangenheit gezeigt, dass Antagonisten vor allem dann interessant werden, wenn man ihnen eine gewisse Sympathie zugesteht. So werden die Zuschauer gefordert und finden sich vielleicht sogar selbst in einem moralischen Dilemma wieder.

Jessica Schwarz als Professor Tanja Lorenz in Biohackers
Jessica Schwarz als Professor Tanja Lorenz in Biohackers ©Netflix

Nichtsdestotrotz verblasst dieser Charakter und auch die Erfahrung der alten Hasen vor den großen Protagonisten der Serie. Allen voran selbstverständlich Mia, Niklas und Jasper. Doch auch die anderen Jungschauspieler, die wir bei Biohackers zu Gesicht bekommen, erledigen ihre Aufgabe erstaunlich gut. Die einzige Grundlage, die hier eine negative Kritik überhaupt möglich machen könnte, sind charakterliche Aspekte. So steht der Zuschauer natürlich auf der Seite unserer Protagonistin Mia, aber so wirklich sympathisch wirkt sie leider nicht immer. Ihr Ehrgeiz, den sie aufgrund ihrer Mission an den Tag legt, ist fast schon eiskalt. So kann man sie vielleicht nachvollziehen, aber hier stellt man sich als Zuschauer die Frage, ob der Zweck wirklich immer die Mittel heiligt.

Was wir besonders gut fanden, war die Charakterentwicklung von Jasper. Vom netten Kommilitonen zum getriebenen und eifersüchtigen Mann, dessen Überleben vielleicht sogar bedroht ist. Hier geht ein dickes Lob nicht nur an die Autoren sondern auch an Adrian Tillmann, der ihn verkörpert. Andere Kommilitonen, wie zum Beispiel die Mitbewohner Mias können leider nicht immer überzeugen. Sie wirken an zu vielen Stellen überzeichnet und büßen aufgrund dessen Authentizität ein.

Auch interessant: Project Power Kritik – Leider trifft er nicht ganz die Erwartungen

Fazit:

Biohackers hat uns in seinen Bann gezogen. Wenn hier keine 2. Staffel kommen sollte, wären wir definitiv enttäuscht. Dabei ist die Serie zwar nicht vollkommen und hat auch einige Schwachstellen. In unseren Augen kann man an diesen aber sicherlich arbeiten. Wir vergeben in unserer Biohackers Kritik 4 von 5 Sterne. Wichtige Themen, gepaart mit viel Spannung und einem Hauch vom echten Leben hatte uns dann doch überzeugen können.

Biohackers Trailer:

Biohackers Fakten:

Release20.08.2020
GenreDrama
ProduktionslandDeutschland
Episoden6
Länge40-46 Minuten
NetworkNetflix
BesetzungLuna Wedler
Thomas Prenn
Adrian Julius Tillmann
Jessica Schwarz
Zeynep Bozbay
Caro Cult
Eleonore Daniel
Sebastian Jakob Doppelbauer
Jing Xiang
Benno Fürmann