I’m Thinking of Ending Things Buch vs. Film

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I’m Thinking of Ending Things Buch vs. Film die Unterschiede

Für alle diejenigen unter euch, die nach I’m Thinking of Ending Things viele unbeantwortete Fragen hatten: Ihr seid nicht allein! Auch uns ließ diese Romanverfilmung nicht los. Das führte dazu, dass wir nochmal tiefer in das Geschehen eintauchen wollten. Einerseits natürlich um unsere eigenen Theorien über den Film zu untermauern oder widerlegen zu lassen. Andererseits wollten wir aber natürlich auch wissen, wie sehr sich dieser Film an seine Buchvorlage gehalten hatte. Bevor ihr also weiter lest, seid gewarnt: Dieser Artikel enthält gravierende Spoiler, die nicht nur das Ende des Films verraten, sondern auch das Ende des Buchs! 

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SPOILER ALARM!

I’m Thinking of Ending Things Ende:

Würde man die Erzählung von I’m Thinking of Ending Things einem komplett unbehelligten Mitmenschen erklären wollen, so kann man dies kaum ohne auf das Ende des Films einzugehen. Auch für uns war es ein Kraftakt, die vor Kurzem erschienene Kritik ohne Spoiler anzufertigen. Zum Ende des Films wird die Geschichte zusehends abstruser und verwirrender. Dabei setzte der Regisseur Charlie Kaufman auf sehr bedeutungsschwangere Bilder und Begebenheiten. So blieben uns vor allem die Szenen der Tänzer in Erinnerung, wie auch die letzte halb Musical- und halb Nobelpreis-Laudatio.

Warum genau sich der Regisseur für diese Art der Inszenierung entschieden hatte, ist selbstverständlich rein spekulativ. Fakt ist allerdings, dass sich genau hier das Ende stark von der Buchvorlage abhebt. So mag das vielleicht der freie Fluss der Kreativität gewesen sein, die hier den Regisseur übermannte. Andererseits kann dies aber auch gleichzeitig fast als Interpretation des gleichnamigen Romans angesehen werden, der selbst auch viele offene Fragen hinterlässt.

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Im Thinking Of Ending Things. Toni Collette als Mother in Im Thinking Of Ending Things. Cr. Mary Cybulski/NETFLIX © 2020

Nun wollen wir euch aber nicht länger auf die Folter spannen und ein bisschen tiefer in die Romanvorlage eintauchen. So überschneiden sich die Geschehnisse von Film und Buch bis zu einem gewissen Grad. Lediglich einzelnen Dialoge im Verlauf von I’m Thinking of Ending Things wiesen Diskrepanzen auf. Allerdings kann man das nur bis zu dem Moment in der Highschool so unterschreiben. Denn hier ist im Buch vieles, wenn nicht sogar fast alles anders. 

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Das Ende des Buchs:

Die junge Frau ist sichtlich genervt und angespannt und folgt letztendlich Jake in die Highschool. Dort angekommen begibt sie sich auf die Suche um ihrer misslichen Lage endlich entfliehen zu können. Dabei wird sie das Gefühl nicht los verfolgt zu werden. Sie geht davon aus, dass es sich bei dem Verfolger um den ansässigen Hausmeister handelt. Letztendlich ist sie nicht nur innerlich verloren, sondern verirrt sich auch sichtlich in den Gängen der Schule. Obwohl sie es sich nicht erklären kann, und obwohl sie ja eigentlich nie in dieser Schule war, erinnert sie sich an den Weg zur hiesigen Turnhalle und begibt sich dorthin. 

Auch im Buch liegt ein großer Fokus auf der stärker werdenden Verwirrung der jungen Frau. Somit vergisst sie in der Schule langsam aber stetig, wer sie ist. Letzten Endes leuchtet dem Leser ein, dass es sich bei Jake und der jungen Frau um ein und die gleiche Person handelt. Im weiteren Verlauf begeben sie sich beide in einen Schrank, der sich im Raum des Hausmeisters befindet. Ab diesem Zeitpunkt ist es Jake, der die Geschichte erzählt und sich an den Moment erinnert, in der er diese junge Frau im Pub getroffen hatte. Immer noch wünscht er sich, er wäre zu der Zeit nicht zu schüchtern gewesen und hätte ihr seine Nummer gegeben. Als ihm klar wurde, dass er sie wohl nie wieder sehen würde, begann er über sie und ihre potentielle gemeinsame Geschichte zu schreiben. 

Während er in diesen Gedanken versunken ist, wird er vom Hausmeister aufgefunden, der dann wiederum ihr einen Kleiderbügel überreicht. Dabei sagt er ihr:

“I’m Thinking of Ending Things.“

Sie stimmt ihm zu, entwirrt den Kleiderbügel und sticht sich mit dem spitzen Ende aus Metall in den Hals. Während sie ausblutet sagt er:

“A single unit, back to one. Me. Only me. Jake. Alone again.” 

Im Verlauf des Romans wird oft eine Unterredung zwischen zwei fremden Personen behandelt, in denen die beiden sich über einen schlimmen Unfall in besagter Highschool unterhalten. Erst am Ende des Buches wird aufgelöst, dass sie sich über Jake unterhalten. Jake war ein ehemaliger Schüler und lange Zeit Hausmeister in dieser Schule, nachdem er die Uni abgebrochen hatte. Diese Unterhaltung erklärt seine Hintergründe, dass er von einer Farm kommt, dass seine Eltern vor langer Zeit gestorben sind und dass er viel Zeit mit seinen Notizbüchern verbrachte. Sie erzählen von dem Fund der Leiche mitsamt diesen Notizbüchern. 

So viel zum Ende des Buches. Wir hoffen, dass diese kurze Nacherzählung dem ein oder anderen Zuschauer von I’m Thinking of Ending Things ein paar der Fragen beantworten kann. Ganz im Stil von Charlie Kaufman ist es genau an dieser Stelle, an der er seiner Kreativität freien Lauf ließ. Wie oben bereits erwähnt sind die Gründe rein spekulativ. Vielleicht wollte er eine eigene Interpretation liefern, vielleicht wollte er eine Metapher kreieren, die ganz zu seiner Art des Filmemachens passt. Vielleicht wollte er aber auch einfach dieser einzigartigen Geschichte noch zusätzlich eine noch größere Bedeutung geben. Zusammenfassend ist jedoch eines sicher. Mit seiner eigenen Version von I’m Thinking of Ending Things schaffte es Charlie Kaufman aus dieser glorreichen literarischen Vorlage einen hervorragenden Film zu konzipieren, dessen Bedeutung so individuell sein kann wie die Zuschauer, die ihn anschauen.

I’m Thinking of Ending Things Erklärung oder Theorie:

Obwohl hoffentlich einige Fragen beantwortet werden konnten, indem man die Parallelen und Diskrepanzen zum Buch verdeutlichte. So werden natürlich nicht alle Erklärungen geliefert, die man sich als Zuschauer wünschen mag. In unseren Köpfen stellte sich zum Beispiel weiterhin die Frage, ob es sich bei den Geschehnissen lediglich um eine Aneinanderreihung verschiedener Träumereien von Jake handelte. Da der ganze Film trotz seines Surrealismus und seiner Absurdität dennoch ganz real wirkte, stellten wir uns die Frage, ob hier vielleicht nicht doch eine psychische Störung mitschwingen könnte. Allen voran ist die Multiple Persönlichkeitsstörung hier einer unserer Hauptverdächtigen. So könnte man meinen, dass das vermeintliche Ende vielleicht letztendlich die Auseinandersetzung der unterschiedlichen Persönlichkeiten miteinander war.

Ob es sich also um Geschehnisse handelt, die Erinnerungen mit Tagträumen vermischen und so nur in Jakes persönlichen fiktiven Geschichten stattfanden, oder ob wir den Protagonisten bei seinen psychischen Konflikten begleiten, bleibt weiterhin nur eine von zig möglichen Erklärungen. Fakt ist dennoch, dass der Film weitaus mehr Freiraum für ganz individuelle Theorien bietet als das Buch.

Ein kurzer Blick auf Charlie Kaufman:

Charlie Kaufmann, Oscar-prämierter Drehbuchautor und Filmregisseur und Meister im Vermischen von Fantasy und Realität hat für Netflix den Roman von Iain Reid „I’m Thinking of Ending Things“ als Drehbuch adaptiert, produziert und inszeniert.
„Beeing John Malcovich“, „Adaption“ und „Vergiss Mein Nicht“ (Übrigens einer der schönsten Liebesfilme aller Zeiten), sind Filme bei denen nie ganz klar ist, was noch Realität oder schon Traumwelt ist. Der Zuschauer wird in fast schon absurd skurrile Ideen und Welten hineingezogen, welche mal schön, mal traurig, mal lustig und sogar mal tragisch sein können. Oder eben alles zugleich. So könnte man das Schaffen von Charlie Kaufmann beschreiben, aber man wird, wie auch bei einer Beschreibung seiner Filme, damit nicht ganz gerecht.
Seiner neuster Film „I’m Thinking of Ending Things“ reiht sich darin ein, zerschneidet aber endgültig die Grenze zwischen Realität und Traumwelt.